DIY-Handyhalter für den Opel Adam

08.02.2018 Opel Adam , DIY

Dieser Artikel beschreibt die Konzeption und den Bau eines magnetischen Handyhalters inkl. Verlegung eines USB-Kabels für den Opel Adam an zentraler Position.

Die heute erhältlichen Handyhalterungen für den Opel Adam haben mir allesamt nicht zugesagt. Entweder stecken diese in den Lüftungsschlitzen, an der linken A-Säule, im unteren Konsolenbereich oder können geklebt werden. Eine Halterung namens Dashmount sitzt zwar sehr zentral, erfordert aber als Ergänzung weitere Halterungen, die das Ganze dann klobig aussehen lassen.

Vorgaben

Ich wollte einen komfortablen, unauffälligen, stylischen Magnethalter mit einem ebenfalls unauffällig verlegten USB-Kabel, der horizontal zwischen den zentralen Lüftungsdüsen und vertikal zwischen Plastikblende und oberer Armaturenbrett-Polsterung positioniert ist. Außerdem sollten keinerlei irreversible Veränderungen im sichtbaren Bereich vorgenommen werden, so dass die Halterung notfalls rückstandsfrei entfernt werden kann.

Planung

Die Wunschposition erfordert ein sehr dünnes Haltermaterial, da zwischen Blende und oberer Armaturenbrett-Polsterung (im Folgenden: "der Montageschlitz") kaum Platz vorhanden ist. Trotzdem muss aber eine gewisse Steifigkeit vorhanden sein, damit die Halterung das Gewicht eines größeren Smartphones zuverlässig tragen kann. Außerdem muss das Material formbar sein, da ein Teil des Halters durch den Montageschlitz gesteckt wird und der sichtbare Halterteil nach oben abgeknickt werden muss (L-Form). Um die Arbeit nicht unnötig ausufern zu lassen, wäre ein vorgeformter Gegenstand, der der Form des benötigten Bauteils schon recht nahe kommt, ideal.

Die Anforderung an das Haltermaterial lautet also: Dünn, steif, formbar und vorgeformt. Die Lösung hierfür ist verblüffend: Man nehme einen 40mm Spachtel mit rostfreier Klinge. Die Klinge ist dünn, sie hat ausreichende Steifigkeit und kann warm geformt werden. Die Form der Spachtelklinge (breite Basis, sich nach oben verjüngend) ist zudem ideal zur Aufnahme eines entsprechend modifizierten Handy-Magnethalters. Die nötige Bohrung ist ebenfalls bereits vorhanden.

Des Weiteren soll das Handy über ein USB-Datenkabel vollständig in das System (hier: Android Car) integriert werden können. Es versteht sich von selbst, dass das Kabel dabei unsichtbar im Inneren der Verkleidungen verlegt werden soll und nicht irgendwo herumbaumeln darf.

Umsetzung

Materialliste

  • Spachtel, 40mm rostfreie Klinge, möglichst mit genietetem Holzgriff
  • WorCord KFZ Halterung, magnetisch, schwarz
  • USB 3.1 Typ C Kabel, aufwärts/abwärts gewinkelt, USB Typ A 90° links gewinkelt, 98cm
  • Mutterkappe, M4, Kunststoff, schwarz
  • Lack oder selbstklebende Folie, schwarz
  • Optional: 1m Alu- oder Stahl-L-Profil
  • Optional: 2 Stück Kulissenscharnier mit losem Stift

Werkzeugliste

  • Schutzkleidung: Arbeitshandschuhe, Schutzbrille, etc.
  • Abkantbank oder -maschine (oder andere geeignte Hilfsmittel zum Kanten von Blechen)
  • Trennschleifer
  • Bohrmaschine
  • Gasbrenner (Minibrenner, Küchenbrenner, etc.)
  • Schraubstock
  • Mini-Trennschleifer (Proxxon o.ä.)
  • Eisenfeilen, klein, rund und flach
  • Folienschreiber, permanent
  • Sägeblatt einer Pucksäge
  • Ahle / Dorn zum Durchpieken von Kunststoff
  • Optional: Metallsäge
  • Optional: Blindnietzange + Blindnieten

Optional: Abkantmaschine

Die folgenden Schritte können übersprungen werden, wenn bereits eine Abkantmaschine/-bank vorhanden ist. In meinem Fall musste ich ein entsprechendes Gerät zunächst bauen.

Das Prinzip ist einfach. Mit zwei Profilen wird das zu biegende Werkstück fixiert. Ein drittes, mit Scharnieren an einem der fixierenden Profile befestigtes Profil, wird zum Biegen verwendet. Dazu muss das L-Profil in drei etwa 20cm lange Stücke zersägt und die Scharniere beispielsweise mit Blindnieten fixiert werden.

Profile mit teilweise vernieteten Scharnieren
Profile mit teilweise vernieteten Scharnieren

Spachtelklinge biegen

Zunächst muss der Griff vom Spachtel entfernt werden. Dazu werden die beiden Nieten aufgebohrt. Die Spachtelklinge wird nun mit der breiten Seite voran vorsichtig in den Montageschlitz eingeführt bis ein Widerstand (Anschlag) spürbar ist. Zur Vermeidung von Kratzern sollte dabei die Blende ausreichend geschützt werden. Dann wird die Einstecktiefe von oben her (also von der Armaturenbrett-Polsterung) mit einem Folienschreiber markiert. Dadurch hat das nach dem Biegen nach oben gebogene, längere Ende einen dem Biegeradius entsprechenden Abstand zur Armaturenbrett-Polsterung. Die Spachtelklinge wird nun mit der breiten Seite und genau an der gerade eingezeichneten Markierung in die Abkantmaschine (und diese ggf. in den Schraubstock) eingespannt.

Ein handelsüblicher Spachtel mit genietetem Holzgriff
Ein handelsüblicher Spachtel mit genietetem Holzgriff
Die Spachtelklinge in der Abkantmaschine
Die Spachtelklinge in der Abkantmaschine

Da das Klingenmaterial beim Kaltbiegen bricht, kann es nur warm gebogen werden und muss daher ausreichend erhitzt werden. Dazu wird die Klinge entlang der Biegestelle mit dem Gasbrenner durchgeglüht und dann vorsichtig um ca. 80° gebogen.

Kabelschlitz und Endbearbeitung

Die Anforderung, ein USB-Kabel einsetzen zu können, erfordert einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Hierbei wird mit dem Trennschleifer ein der Breite des Kabels entsprechender Schlitz in das Blech geschliffen (s. Abb.). Dieser Schlitz dient der Kabelführung und entlastet zugleich das Kabel von der von unten drückenden Blende. Das Kabel wird also lediglich in die Armaturenbrett-Polsterung gedrückt.

Abschließend wird der schmale obere Klingenteil unterhalb des oberen Grifflochs entfernt (bei mir war dieser Teil bereits bei einem Kaltbiegeversuch abgebrochen und ist daher auf den Bildern nicht zu sehen), der Rest noch schön abgerundet, die Kanten gebrochen und die Feinheiten mit den Feilen herausgearbeitet.

Die Spachtelklinge nach dem Biegen
Die Spachtelklinge nach dem Biegen
Der USB-Kabel-Schlitz und ...
Der USB-Kabel-Schlitz und ...
... die vorhandene Bohrung für den Magnethalter
... die vorhandene Bohrung für den Magnethalter

Da die Klinge noch recht unansehnlich ist, wird sie nun gereinigt und lackiert. Alternativ kann sie auch mit Klebefolie beklebt werden. Ich habe mich für eine Kombination aus 1K-Farblack und 2K-Klarlack entschieden.

Modifikation und Einbau des Magnethalters

Der verwendete Magnethalter ist üblicherweise zum Ankleben gedacht und wird daher mit Klebefolie an der Sockelunterseite geliefert. Diese Folie wird nun entfernt und gibt dadurch den Blick auf eine Schraube frei, die den Sockel mit dem Kugelgelenk des Halters verbindet. Leider ist die Schraube derartig fixiert, dass der Schraubenkopf aufgebohrt werden muss. Dadurch bleibt ein ca. 7mm langes Stück M4-Gewinde übrig, das sich für die weitere Montage hervorragend eignet. Da der Gelenkkopf aber beim Festziehen einer M4-Mutter auf dem Gewinde recht leicht anfängt sich mitzudrehen, muss eine Möglichkeit geschaffen werden, das Gewinde zum Verschrauben zu fixieren.
Dazu schleift man mit dem Mini-Trennschleifer ein Schlitz in den Gewindeschaft, der einen Schlitzschraubendreher aufnehmen kann.

Der Magnethalter wird nun mit entsprechenden Unterlegscheiben und einer M4-Mutter an die Spachtelklinge geschraubt. Eine Mutterkappe verbirgt schließlich die Mutter.

Der Sockel des Magnethalters
Der Sockel des Magnethalters

Einbau des Handyhalters

Der Einbau erfordert das Entfernen der Plastikblende. Dazu muss der Fahrzeuginnenraum insb. bei niedrigen Außentemperaturen aufgeheizt werden, um ein Abbrechen der Haltezapfen zu vermeiden. Nach dem Entfernen des Warnblinkschalterkabels, kann die Blende zunächst zur Seite gelegt werden.

Die Struktur, die den Handyhalter aufnehmen soll, besteht zum Teil aus weichem Schaumstoff aber auch aus hartem Kunststoff. Beim Austesten der Biegekante stieß die Klinge an diese Struktur, die in diesem Bereich nach unten abknickt. Genau in der Knickkante wird nun mit dem Dorn ein der Breite des Sägeblattes entsprechendes Loch gestochen. Dann wird das Sägeblatt hineingesteckt und der Knickkante folgend gesägt, bis der Schnitt die Position und Breite (also ca. 40mm) der Handyhalterung erreicht hat.

Nun wird die Handyhalterung von vorne leicht in den gesägten Schlitz gesteckt und bis zum Anschlag an die Armaturenbrett-Polsterung hineingedrückt. Nun wird noch eine kleine Schraube von unten nach oben durch den Kabelschlitz geschraubt, um die Halterung zu fixieren. Falls die Schraube nicht greifen will, kann mit dem Dorn nachgeholfen werden.

Struktur zur Befestigung der Halterung
Struktur zur Befestigung der Halterung
Fixierte Halterung
Fixierte Halterung

Verlegen des USB-Kabels

Das USB-Kabel kann mittels eines Drahtes vom Fußraum des Fahrers mit dem USB-C-Stecker voran nach oben zur Halterung gezogen werden. Dort kann die Lage des Kabels noch zusätzlich mit einem Kabelbinder fixiert werden.

Im Fußraum wird das Kabel einfach hinter der Verkleidung der Mittelkonsole versteckt und fast unsichtbar zur USB-Buchse geführt.

Bevor die Blende wieder eingesetzt werden kann, sollte ein abschließender Funktionstest durchgeführt werden. Hierbei wird auch die optimale Lage des USB-C-Steckers ermittelt, wenn dieser im Handy steckt.

Beim Einsetzen der Blende ist darauf zu achten, dass das USB-Kabel nur in den Kabelschlitz der Handyhalterung und damit in die Armaturenbrett-Polsterung gedrückt wird.

Kabelverlegung im Fussraum
Kabelverlegung im Fussraum
Fertig montierte Handyhalterung
Fertig montierte Handyhalterung

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